Arthur Honegger vom 10vor10 und der Dyson Staubsauger

Arthur Honegger und der Dyson Staubsauger

Kürzlich hat Arthur Honegger, bekannt als Moderator der Fernsehsendung 10vor10, auf seinem Twitter-Account ein Video publiziert, in welchem er heldenhaft berichtete, wie er ein teures Geschenk das er bekommen habe, nicht angenommen hat und dieses (grosszügigerweise) der Caritas schenkte – das ist allerdings problematisch.

Ist die Aktion wirklich so sozial wie es den Eindruck erweckte?

Arthur Honegger erzählt strahlend, wie er vor ein paar Wochen eine Sendung machte in deren Inhalt von einem Staubsauger-Hersteller berichtet wurde, welcher in Zukunft auch Elektro-Autos bauen will. Den Beitrag schloss er damals mit der Bemerkung: «Er hoffe, dass auch Tesla irgendwann Staubsauger produziere, damit sie sich auch einen leisten können».

Ein paar Tage später hat Herr Honegger von Dyson einen Elektro-Staubsauger als Geschenk erhalten – ein cleverer Schachzug von Dyson. Dass Honegger das Geschenk nicht annehmen darf ist klar und in den publizistischen Leitlinien des SRF festgehalten.

Ab wann wird ein Geschenk zur Bestechung? Grundsätzlich dürfe jeder etwas schenken und ein Geschenk annehmen, sagt Konrad Meyer, Unternehmensberater und Vizepräsident von Transparency Schweiz. Die Frage ist, unter welchen Umständen geschenkt wird, ob daraus Abhängigkeiten entstehen und ob ein Interessenkonflikt vorliegt.

Herr Honegger erklärt im Video dazu gleich selbst, dass er so ein teures Geschenk, den Rolls Royce unter den Staubsaugern sozusagen, nicht annehmen darf. Den Hinweis darauf, dieses Geschenk von einer Firma erhalten zu haben, dessen Namen sich auf Mike Thyson reimt, hätte man besser nicht platzieren können. Ein Profi durch und durch in Sachen Product Placement.

Als Journalist wisse Honegger diese Aufmerksamkeit sehr zu schätzen, aber er dürfe sowas natürlich nicht annehmen, führte er aus. Darauf folgt ein Seitenhieb gegen Blogger und Influencern in dem er sagte, dass er als Journalist sowas (Annahme eines Geschenkes) nicht machen würde und das eben genau diese Nichtannahme die Journalisten  von den Influenzern unterscheide.

Was zum Teufel ist influencing in Perfektion, wenn nicht das Beispiel von Honegger selbst?

Darauf zeigte er sich von seiner sozialen Seite und verschenkte den Staubsauger von Dyson der Caritas. Super, könnte man denken. Ist der Staubsauger doch an einem guten Ort gelandet. Blöd nur – das ist nicht ok.

Was wirklich passierte?

Arthur Honegger moderierte einen Beitrag über einen Staubsaugerhersteller, welcher beabsichtigt, in Zukunft auch E-Autos zu verkaufen. Dyson schickt darauf dem Herrn Honegger einen E-Staubsauger ins TV-Studio am Leutschenbach.

In dem Augenblick, wo festgestellt wurde, dass es sich hierbei um ein unerlaubtes Geschenk handelt, hätte es zurückgewiesen werden müssen.

Publizistische Leitlinien SRF; Art. 2.10 – Geschenke und Einladungen
Geschenke können zu Loyalität und Dankbarkeit verpflichten: SRF-Journalistinnen und -Journalisten nehmen deshalb keine Zuwendungen an, die ihre berufliche Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit einschränken könnten.

Tatsächlich hat Herr Honegger das Geschenk aber angenommen und medienwirksam weitergegeben. Damit ist offensichtlich gegen die publizistischen Leitlinien des SRF verstossen worden. Nicht? Zudem wurde Dyson gegenüber allen anderen Staubsaugerherstellern wirtschaftlich bevorteilt.

Es ist doch tatsächlich so, dass ein unerlaubtes Geschenk statt zurückgewiesen für kurze Zeit angenommen und weitergegeben hat. Das erzählt er ja selbst so im Video.

Im Nachhinein rechtfertigte sich Arthur Honegger damit, dass er mit dieser Aktion ein Zeichen setzen wollte und aufzeigen, was ihnen im Alltag passiert. Ein Zeichen hat er damit definitiv gesetzt – ich denke ein falsches.

Statt die Zeichen der Zeit zu erkennen und selbst mal einen Fehler zuzugeben, flüchtet sich Honegger in Ausreden.

Profitiert hat dabei sicherlich Dyson. Diverse Social Media Berichte, Shares, Likes für ein paar wenige hundert Franken Herstellungskosten. Was man daran aber als 10vor10 Moderator noch schönreden will ist eher akrobatisch.

Eine Frage habe ich noch

Mich interessiert, von welchem Hersteller der Staubsauger im Hause Honegger ist? Das ist wichtig, damit wenigstens ein zweiter Staubsaugerhersteller ebenso profitiert. Die Bevorteilung von Dyson ist ansonsten zu krass. Sollte sich dabei herausstellen, dass die Famillie Honegger auf Dyson setzt, wäre es an Brisanz nicht mehr zu überbieten.

Nachtrag – Bissel später

Die Frage zum Hersteller des Staubsaugers im Hause Honegger hat sich Herr 10vor10 nicht geäussert, dafür zur Frage, ob die Aktion nicht ein Verstoss gegen die publizistischen Leitlinien sei.

Arthur Honegger: Ich würde sagen nein. Und kann das beurteilen.

Arthur Honegger - Ich würde sagen nein. Und kann das beurteilen.

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