Die Kirche pfeift auf Datenschutz – Neftenbach – Pfarrer Hanselmann

Der Neftenbacher Pfarrer stellt sich selbst über den Datenschutz – so macht es zumindest den Eindruck. Vor zwei Jahren hat bei Vera Muster (Name der Redaktion bekannt) abends nach 19 Uhr das Telefon geklingelt. Weil Vera gerade auswärts mit Essen beschäftigt war, hat sie den ersten Anruf abgewiesen. Dreissig Sekunden später klingelt es wieder und sie nimmt den Anruf kurz und genervt entgegen. Am anderen Ende der Leitung war ein unbekannter Mann, welcher sich als Pfarrer Hanselmann aus Neftenbach ausgab und mit ihr über die Konfirmation reden wollte. Vielleicht sollte man noch wissen, dass Vera als überzeugte Atheistin seit über 6 Jahren keinen Religionsunterricht mehr besucht hat. Leicht erschrocken antwortete sie ihm, dass er sie später, nach dem Essen nochmals anrufen soll.

Der Vater und seine Freunde am Tisch horchten ungläubig auf, als Vera erzählte was soeben passierte. Zum einen warum der Pfarrer überhaupt anruft aber vielmehr, woher hat er die Nummer? Diskussionen gingen los und kurz darauf rief Pfarrer Hanselmann wieder an. Diesmal aber nahm nicht Vera, sondern ihr Vater den Anruf entgegen und fragte ein wenig hässig nach, wie er darauf komme anzurufen und insbesondere, woher er die Nummer habe. Drauf antwortete der Pfarrer:

Er habe in der Schule ein Mädchen gefragt, die habe ihm die Nummer ausgehändigt.

Der Vater ungläubig: «Wie bitte – sie fragen Kinder nach Handynummern von anderen Kindern? Geht’s noch?» – Der Pfarrer meinte damals: «Ja, das ist so und ok.»

Weil Vera und ihr Vater nicht wegen jedem Fall ein Fass öffnen können, sie auch anderes mit mehr Genuss im Leben machen wollen, ging die Geschichte irgendwann vergessen – bis heute. Denn in den letzten Tagen hat Vera den Wahlzettel für die reformierten Kirchenwahlen in Neftenbach erhalten und das hat sie dazu veranlasst, endlich aus der Kirche austreten zu wollen, zumal sie seit dem 1.1.2018 steuerpflichtig ist und als Atheistin die Kirche nicht noch unterstützen will. Weil sich aber Vera und ihr Vater nicht sicher waren, wer denn beim Austritt visieren muss (Volljährigkeit Kirche, Volljährigkeit Staat, elterliche Vertretung) haben sie beschlossen bei der Kirche nachzufragen. Gesagt getan ruft der Vater heute bei der Kirche Neftenbach an und hat promt den Pfarrer Hanselmann am Telefon.

Die Frage, wer den diesen Austritt unterschreiben müsse, hat er nicht eindeutig beantworten können. Die Antwort war: «Ich glaube Vera kann selbst unterschreiben, denn in der Kirche sei sie mit 16 Jahren volljährig.» Weil aber glauben bei steuerrelevanten Dokumenten keine Rechtssicherheit schafft, hat der Vater gesagt, dass sie beide, Vera und ihr gesetzlicher Vertreter den Austritt visieren werden. Auf die Bemerkung des Vaters, dass ihn das an den Fall vor zwei Jahren erinnert, meinte Pfarrer Hanselmann:

Ich würde das heute wieder genau gleich machen.

«Wie bitte!» schreite der Vater von Vera ungläubig ins Telefon. Das würden sie tun? Er erzählte im die ganze Geschichte nochmals im Detail und der Pfarrer blieb dabei – er würde es heute wieder so machen. Er habe zuerst einen Brief per Post geschickt und darauf keine Antwort von Vera erhalten. Der Vater erwiderte darauf, dass es keine Verpflichtung gebe, auf Post von der Kirche zu antworten und auch die postalische Zustellung sei nicht sichergestellt gewesen. Das beeindruckte den Pfarrer nicht und er bleibt bei seiner Meinung, dass Jugendliche welche nicht auf seinen Brief antworten telefonisch kontaktiert werden müssen und die Nummern auch von anderen Jugendlichen beschafft werden darf.

Von der Schule bekommen wir die Daten nämlich nicht!

Der Vater ausser sich: «Warum wohl bekommen sie von der Schule die Daten nicht?» Der Pfarrer will es nicht verstehen. Hinweise zum Datenschutz werden mit: «Man kennt uns im Dorf» weggewischt. Ignoranz pur.

Vera und ihr Vater sind entsetzt, wie in diesem Fall und es bleibt ja zu befürchten, dass es nicht der einzige ist, mit Daten von Jugendlichen umgegangen wird. Das ist auch der Grund für die Veröffentlichung dieser Geschichte, ansonsten wird sich das Vorgehen nicht ändern. So viel Uneinsichtigkeit ist preisverdächtig.

Vera: Der Pfarrer will bis heute die Daten des Mädchens, welche ihre Nummer herausgegeben hat, nicht preisgeben.



Datenschutz im kirchlichen Bereich

Die Kirchenordnungen der evangelisch-reformierten Landeskirche und der römisch-katholischen Körperschaft des Kantons Zürich verfügen über gesetzliche Grundlagen für den Datenschutz (Art. 23 der Kirchenordnung der evangelisch-reformierten Landeskirche, LS 181.10, beziehungsweise Art. 7 der Kirchenordnung der römisch-katholischen Körperschaft, LS 182.10): Demnach erfolgt das Erfassen und Bearbeiten von Personendaten nach den Grundsätzen der staatlichen Datenschutzgesetzgebung, d.h. nach dem Gesetz über die Information und den Datenschutz (IDG, LS 170.4). Unter Beachtung der Schweigepflicht dürfen Daten zur Erfüllung kirchlicher Aufgaben bearbeitet und innerkirchlich ausgetauscht werden. Ein Datenaustausch ist ausdrücklich auch für den Verkehr in der zwischenkirchlichen Zusammenarbeit unter Kirchen verschiedener Konfessionen vorgesehen. Betroffene Personen haben das Recht, ihre Daten sperren zu lassen. In Ergänzung des IDG und der vorstehend erwähnten Kirchenordnungen kommt das Kirchliche Datenschutz-Reglement zur Anwendung (LS 180.7). Dieses gilt für alle drei anerkannten Landeskirchen, also für die evangelisch-reformierte Landeskirche, die römisch-katholische Körperschaft und die christkatholische Kirchgemeinde.

Ein Kommentar

  • Datenschutzbeauftragter des Kantons Zürich

    Besten Dank für Ihre Nachricht. Zu Ihrer Anfrage können wir Ihnen wie folgt Auskunft geben.

    Kirchen dürfen gestützt auf ihre jeweiligen Rechtsgrundlagen Personendaten bearbeiten. Im Falle der reformierten Kirche ist dies die Kirchenordnung der evangelisch-reformierten Landeskirche (LS 181.10) sowie das Kirchliche Datenschutz-Reglement (LS 180.7). Gestützt auf diese Rechtsgrundlagen dürfen die Kirchen auch Personendaten beschaffen. Dies erfolgt üblicherweise bei der Einwohnerkontrolle der Gemeinde, bei anderen amtlichen Stellen oder bei der betroffenen Person direkt – die Datenbeschaffung bei privaten Dritten (wie in Ihrem Fall bei einer Schulkollegin) ist nicht vorgesehen. Informationen zur Datenbearbeitung durch Kirchen finden Sie in unserem Webartikel «Datenschutz im kirchlichen Bereich».

    Aus datenschutzrechtlicher Sicht stehen Ihnen folgende Rechtsbehelfe zur Verfügung:
    – Sie können Ihre Personendaten wie auch jene Ihrer Tochter bei der Kirche gestützt auf § 6 Kirchliches Datenschutz-Reglement sperren lassen.
    – Des Weiteren stehen Ihnen die Ansprüche gestützt auf § 21 des Gesetzes über die Information und den Datenschutz (IDG, LS 170.4) zu. Wie Sie zur Geltendmachung dieser Ansprüche vorgehen müssen, können Sie unserer Broschüre «Datenschutz – Meine Rechte» (insbes. S. 11 ff.) entnehmen.

    Wie hoffen, Ihnen mit diesen Ausführungen zu dienen.

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