So viele Fehler macht Watson in einem Artikel über E-Zigaretten

Autor: Ric Daniel | CEO E-Smoking: Gestern Vormittag erreichte mich eine Nachricht eines Dampfershops mit dem Hinweis, dass eine Redaktorin von Watson einen Artikel zur Vernehmlassung des TabPG schreibe und ob ich von ihr diesbezüglich auch kontaktiert wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte mich Watson nicht kontaktiert und so habe ich mich entschlossen die Frau einfach anzurufen.

Zuerst ist Frau Serafini ein bisschen erschrocken, woher ich nun weiss an welchem Artikel sie arbeitet. Nachdem wir das geklärt hatten und sie jetzt wusste, dass ich die RFA für E-Zigaretten geschrieben habe, wollte sie von mir wissen, welche Punkte im Bezug auf «E-Zigaretten» wir im TabPG nicht gut finden.

Schnell merkte ich aber, dass ich mit meinem juristischen und parlamentarischen Gerede für uninformierte Menschen leicht kompliziert rede. Deshalb fragte ich sie, ob ich ihr die Regulierungsfolgen Abschätzung zum TabPG als PDF senden soll, dann könne sie es im Detail nachlesen und ich erläutere ihr gerne, welche Punkt relevant sind. Die Antwort darauf mag euch jetzt erstaunen – mich allerdings erstaunt schon lange nichts mehr.

Herr Daniel, ich habe keine Zeit um 50 Seiten durchzulesen.

Ok, dachte ich für mich und ging weiter in meiner Liste die für sie relevanten Punkte des TabPG durch. Es war mir schnell klar, dass der Fokus des Watson -Artikels das «Werbeverbot» und die «Abgabe von Tabakprodukten an Minderjährige» torpedieren soll. Natürlich steckt dahinter das eigene Interesse, dass der Werbemarkt nicht zu sehr reguliert wird, ist es doch eine der wichtigsten Einnahmequellen der Medienkonzerne. Aber damit habe ich grundsätzlich kein Problem, denn wir leben in einer Demokratie und wir alle können uns in dieser Phase an der Gesetzgebung beteiligen.

Nachdem wir aber knapp 20 Minuten telefonierten fragte sich doch freiwillig, ob ich ihr die RFA nicht doch bitte als PDF schicken könne, denn ohne Unterlagen ist das schlicht zu kompliziert.

Trotzdem – Die vielen Fehler im Artikel sind tragisch

Weil der Beitrag nun aber doch mit Fehlern übersäht ist, sehe ich mich gezwungen, diese Fehler richtig zu stellen. Nicht der Inhalt des Artikels stört mich in erster Linie – sondern die Fehler.

Watson (Teaser): Dampfen ist das neue Rauchen. Tabak-Multis haben in den letzten Jahren viel Geld in die Entwicklung von Dampfer-Produkten gesteckt. Nun könnte ihnen das neue Bundesgesetz einen Strich durch die Rechnung machen. Die Lobbyisten bringen sich in Position.

Es ist korrekt, dass Tabakkonzerne grosse Summen in HNB-Produkte investiert haben. Dass sich die Tabak-Lobbyisten in Position bringen stimmt bedingt, denn sie sind schon lange in Position. Auf jeden Fall suggeriert der Teaser: Lobbyisten von Tabakmultis bringen sich in Stellung. So weit so gut.

Watson: Ende Dezember präsentierte Bundesrat Alain Berset den Entwurf für das neue Tabakproduktegesetz. Erstmals soll dieses den Konsum, Verkauf und das Bewerben von Tabak und E-Zigaretten in der Schweiz einheitlich regeln. Bisher unterstand dies dem Lebensmittelgesetz.

Eine einheitliche Regulierung besteht schon immer. Tabakprodukte sind in der TabV im Rahmen des LMG geregelt gewesen und seit dem 1.4.2017 gilt der Stand vom 31.3.2017 der TabV bis zum Inkrafttreten des TabPG (Bundesgesetz über Tabakprodukte und elektronische Zigaretten). Dieses Gesetz regelt E-Zigaretten MIT NIKOTIN. Für nikotinfreie E-Zigaretten gilt in diesem Gesetz NUR ARTIKEL 17-21, welche den Verkauf und die Abgabe an Minderjährige als auch die Werbung regulieren. Nikotinfreie Produkte unterstehen weiterhin dem nLMG.

Watson: Insbesondere die Interessensvertreter von E-Zigaretten blasen zum Angriff auf die in ihren Augen übertriebene Regulierung im neuen Gesetz. Sie sehen ihre Zukunft in Gefahr. Denn in den letzten Jahren haben sie stark auf die Entwicklung neuer Produkte gesetzt, dank derer es sich laut eigenen Aussagen gesundheitsschonender rauchen lässt. 

Ab jetzt finde ich es nicht mehr lustig. Es ist richtig, dass die Interessenvertreter von E-Zigaretten zum Angriff blasen. Das ist aber NICHT DIE TABAKINDUSTRIE, welche ihr hier aber im zweiten Teil des Satzes mit «Denn in den letzten Jahren haben sie stark auf die Entwicklung neuer Produkte gesetzt, dank derer es sich laut eigenen Aussagen gesundheitsschonender rauchen lässt.» meint. Diese Aussagen kommen aus der Tabakindustrie und nicht von der E-Zigarettenindustrie.

Warum ist die Differenzierung zwischen HNB-Produkten und E-Zigaretten so wichtig?

E-Zigaretten verdampfen Propylenglycol, Glycerin, Wasser, Lebensmittelaroma und Nikotin. Die beinhalten keinen Tabak und die Wissenschaft geht davon aus, dass E-Zigaretten dieser Art deutlich weniger schädlich sind als HNB-Produkte.

HNB oder HNB-Geräte ist die Bezeichnung für «Heat not Burn» Produkte, welche Tabak enthalten und diesen erhitzen aber nicht wie bei herkömmlichen Zigaretten verbrennen. Zu den HNB-Geräten gibt es kaum unabhängige Studien. Die meisten Studien wurden im Auftrag der Hersteller selbst durchgeführt und nicht publiziert. Die wenigen bisher bekannten Resultate weisen darauf hin, dass sie die Gesundheit der Konsumierenden und von deren Umfeld sehr viel mehr belasten als die klassischen E-Zigaretten. Die Wissenschaftler unabhängiger Studien werden von der Tabakindustrie auch unter Druck gesetzt.



Wenn jetzt aber Watson die E-Zigaretten (die Dampfgeräte welche nicht von der Tabakindustrie kommen) mit denjenigen der Tabakindustrie vermischt, dann ist dies inhaltlich falsch und Wasser auf die Mühlen der Tabakkonzerne, welche diese Vermischung gewollt anstrebt. Tabakkonzerne können von der positiven Berichterstattung über E-Zigaretten nur profitieren. Dass sich Watson wegen ein paar Werbefranken auf solchen Journalismus einlässt und sich in keiner Weise um den wirklichen Schutz der Jugend kümmert,  ist eher tragisch.

Der Beobachter mischte HNB-Produkte und E-Zigaretten im letzten Bericht ebenso. Auch dieser Artikel wird noch ausführlich auseinandergenommen.

Erschwerend kommt beim Beobachter dazu, dass der ursprüngliche Artikel eine ganz andere Zielsetzung hatte, als das was am Schluss publiziert wurde. Ob und wie sehr das mit dem Besuch beim BAG zusammenhängt werde ich noch weiter recherchieren.

Watson: Bisher fehlte eine nationale Regelung im Umgang mit E-Zigaretten und «Heat-not-Burn»-Produkten. Deshalb wurde es in jedem Kanton etwas anders gehandhabt, was erlaubt ist und was nicht.

Das stimmt nicht. Schweizweit sind elektrische Zigaretten und Liquids ohne Nikotin als Gebrauchsgegenstand mit Schleimhautkontakt eingestuft – seit über 10 Jahren. Auch national ist der Verkauf von nikotinhaltigen Liquids an alle Personen (unabhängig vom Alter) verboten (Verfügung Nikotin-Verbot 11/2015). Es gibt kein Verbot für den Besitz oder den Konsum von nikotinhaltigen elektronischen Zigaretten und Liquids –schweizweit.

Ganz anders die HNB Produkte. Diese Produkte, auch wenn zum Teil meiner Meinung nach illegal, werden vom BAG als Tabakprodukte eingestuft und somit in der TabV reguliert. Die TabV ist auch nationalgültig kann jedoch vom Kantone angepasst werden (Kantönligeist). Deshalb gibt es in der Schweiz immer noch Kantone, welche Zigaretten an 0/16/18-Jährige verkaufen lassen. Das hat aber nichts mit den HNB Geräten noch viel weniger mit elektronische Zigaretten oder einem unregulierten Markt zu tun, sondern mit der gültigen Gesetzgebung (TabV/LMG). Es gibt nur Unterschiede beim Mindestalter für die Abgabe von Tabakprodukten unter den Kantonen. Der Watson Text macht das nicht klar und vermischt einmal mehr HNB-Geräte und E-Zigaretten zugunsten der Tabakindustrie und entgegen den wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Watson: So ist das Dampfen in geschlossenen öffentlichen Räumen nicht grundsätzlich verboten. In Restaurants oder in Konzerthallen obliegt es dem Besitzer oder Betreiber, dies zu verbieten. 

Auch das ist falsch: Dampfen ist per Gesetz überall erlaubt und fällt nicht unter die Gesetzgebung zum Schutz vor Passivrauch. Es obliegt immer und nicht nur in Restaurant und Konzerthallen im Rahmen des Hausrechts den Hausherrn «Dampfen»  oder das Tragen von «roten Pullovern» zu verbieten.

Watson: Auch bezüglich des Verkaufs von «Heat-not-Burn»-Produkten gibt es aktuell keine nationale Regelung. In einigen Kantonen dürfen die Geräte und die sogenannten Heat-Sticks auch an unter 18-Jährige verkauft werden. 

Siehe oben, dass ist der TabV und der Einstufung als Tabakprodukt geschuldet. Zudem ist es vom BAG widerrechtlich scheinbar so gewollt.

Für die grossen Tabakkonzerne (BAT, PMI, JTI) ist die Schweiz für die HNB Produkte ein Testmarkt. Sie testen die HNB-Produkte je nach Kanton an 0-/16-/18-Jährigen. Produkte mit Tabak und nicht E-Zigaretten. Ganz ohne Langzeitstudien wie sie immer von E-Zigaretten (welche es schön weit über 10 Jahre ohne einen Todesfall gibt) verlangt wird.

Watson: Bei den E-Zigaretten, deren Liquids nikotinhaltig oder nikotinfrei sein können, ist der Verkauf an Minderjährige bisher ebenfalls nicht ausdrücklich verboten.

Der Verkauf ist ERLAUBT – sogar an Kindergärtner. Es sind nikotinfreie Produkte und es existiert dazu überhaupt kein Verbot. Reguliert als «Gebrauchsgegenstand mit Schleimhautkontakt» – absolut unbedenklich, auch für Kinder. Ein Grund weshalb elektronische Zigaretten ohne Nikotin für Jugendliche im Zugang nicht allzu sehr erschwert werden dürfen. Denn einig sind sich alle darin, wenn Jugendliche bis 25 Jahre nicht rauchen, dann werden sie es mit grösster Wahrscheinlichkeit im Leben nie tun. Aber keine HNB-Geräte oder nikotinhaltige E-Zigaretten für Minderjährige.

Watson: Im neuen Bundesgesetz sollen nun E-Zigaretten und «Heat-not-Burn»-Produkte in fast allen Bereichen gleichgestellt werden wie herkömmliche Zigaretten.

Auch das ist falsch: Im TabPG werden elektronische Zigaretten und HNB-Produkte differenziert behandelt. HNB Produkte mit Tabak werden korrekterweise stärker reguliert als elektronische Zigaretten. Damit erfüllt der Vorschlag die vom Parlament geforderte Differenzierung – auch wenn das nicht in das Konzept der Tabak- und Medienindustrie passt.

Dass HNB-Produkte mit Tabak den Tabakprodukten gleichgestellt werden liegt in der Natur der Sache, denn beide Produkte beinhalten Teile aus der Tabakpflanze.

Übrigens habe ich das der Journalistin erklärt – zudem gibt es davon sogar ein Bild vom BAG.

An den Aussagen von JTI Sprecher Suter ist nichts auszusetzen. Klar möchte JTI als grosser Tabakkonzern die HNB Produkte als Dampfgeräte sehen, aber so einfach lassen wir euch nicht als Trittbrettfahrer mit surfen.

Der Rest des Artikels ist dann Ansichtssache, ob man das gut oder nicht gut finden soll. Die inhaltlichen Fehler in dieser Masse sind aber untragbar. Die Aussage, ich kann doch nicht 50 Seiten dazu lesen und das Resultat welches ich nun kritisiere sind nicht wirklich konform mit dem Presserecht und der Pflicht der wahren Berichterstattung.

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